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Kundgebung beim Nagra-Bohrplatz Benken

«Die ersten Atommüllfässer treffen in Benken ein!»

Weinländer Komitee «Strom ohne Atom» organisiert Kundgebung im Weinland

von Käthi Furrer

Warmes, sonniges Frühlingswetter. Beim ehemaligen Bohrplatz der Nagra in Benken haben sich am Ostersamstag rund 200 Menschen versammelt. Weisse Partyzelte, gelbe Ballone und grosse Spruchbänder schmücken das Gelände. Für einmal ist der berühmt-berüchtigte Ort zwischen Wiesen und Feldern Parkplatz für zahlreiche Autos und noch mehr Velos, eingewiesen von Männern in orangen Westen. Auf dem Feldweg daneben eine Festwirtschaft, eine Lautsprecheranlage und eine mit gelbem Trassierband abgesperrte Gasse für den mit Spannung erwarteten Atommülltransport, der Überraschung des Nachmittags. Während sich Gross und Klein noch am Endlager-Buffet bedienen – angeboten werden Opalinusthon-Brötchen, Bentonit-Schnitten und Bohrspülwasser in diversen Farben – kündigt ein Mann in schwarzer Richterrobe (Roly Brunner) an, dass in wenigen Minuten der legendäre erste Atommülltransport in Benken eintreffen wird. So habe es vor rund 40 Jahren der Bund beschlossen, als der Bau des Weinländer Atommülllagers bewilligt wurde. Der Mann in der schwarzen Robe verkörpert das Gesetz. Ein zweiter Gesetzesvertreter in gleicher Aufmachung (Ruedi Schneider vom Rheinaubund) beginnt, neben ihm stehende Volksvertreter aus den Kantonen Zürich und Schaffhausen (Käthi Furrer und Hermann Beuter) zu fesseln und zu knebeln. Die betroffene Bevölkerung hatte weder damals zum Entscheid, noch heute, im Jahr 2043, zur Inbetriebnahme des Endlagers etwas zu sagen. Also muss es mit gebundenen Händen zusehen und soll den (zugeklebten) Mund halten.

Auch die zahlreich angereisten deutschen Nachbarn von der anderen Rheinseite – sie fühlen sich vom Weinländer Atommülllager gleichermassen betroffen und bedroht – stehen zwar protestierend, aber letztlich ebenso machtlos in der Szene.

Der Transporter mit den hochradioaktiven Abfällen rollt heran, schon von weitem sichtbar. Es kommt Bewegung in die wartende Menge. Ordnungshüter in weissen Anzügen (Komiteemitglieder) sorgen für Ruhe und drängen die Leute hinter die Abschrankung. Der langsam sich nähernde Laster wird kurz vor dem Ziel, umsäumt von den Menschen hinter den Bändern, abrupt angehalten. Einige Frauen und Männer haben die Absperrung durchbrochen und stemmen sich gegen das Fahrzeug, andere setzen sich wild entschlossen mitten auf die Fahrbahn. Sie werden von den Ordnungshütern abgeführt oder einzeln weggetragen.

Die heikle Fracht ist am Ziel. Nagra-Leute in leuchtenden Anzügen und Gasmasken beginnen die Fässer abzuladen. Die fünf grossen Gefässe tragen nebst des internationalen Zeichens für radioaktive Strahlung auffällige Beschriftungen: Beznau I, Beznau II, Leibstadt, Mühleberg, Gösgen. Auch jetzt noch versuchen Militante, die Deponie zu verhindern. Einer klaut einfach ein Fass und rennt damit davon. Natürlich wird er eingeholt und überwältigt.

Lassen wir zum Abschluss des Spektakels nochmals unseren Kommentator am Mikrofon (Roly Brunner) sprechen:

«Bitte zurücktreten! Machen Sie Platz! Helfen Sie mit, dass die Atomenergie auch in Zukunft fliessen kann und wir nicht auf so utopische Projekte wie Solar- und Windenergie umstellen müssen. Wer sagt da etwas von besser isolieren und energiesparendere Geräte einsetzen? Das ist wohl so ein Gewerbler aus der Bau- oder der Elektrobranche. Und wer ruft da Wärme-Kraft-Koppelung? Die läuft nur mit Öl, und woher das kommt, das wissen wir ja!

Irgendwo muss der Müll doch hin, wir wollen in der Schweiz schliesslich Ordnung – koste es, was es wolle! Und die Experten sind überzeugt, dass die Sache sicher ist. Schauen Sie nur: Die Fässer sind doch tip-top, alles ist in Glas eingegossen und mit Beton ummantelt und wird nun in den nächsten Tagen für immer unter unseren Füssen verbuddelt. Der National- und der Ständerat und seine Expertenkommissionen wissen sicher besser, was gut ist für uns! Oder sind Sie etwa auch auf der Seite der Nörgler und Besserwisser von Bedenke, Igel, Greenpeace, WWF und wie sie alle heissen? Da haben Sie allerdings Pech gehabt.

Erinnern Sie sich noch an den 18. Mai 2003? Damals hat das Volk Nein gesagt zu einer Initiative, die das Mitbestimmungsrecht der Bevölkerung bei atomaren Endlagern garantieren wollte. Da ist jetzt nichts mehr zu machen. Jetzt heisst es Maul halten und den Experten vertrauen!

Wollen Sie das wirklich? Wenn nicht, dann haben Sie noch eine Chance, denn der 18. Mai 2003 liegt glücklicherweise nicht 40 Jahre zurück, sondern er steht unmittelbar bevor. Wenn Sie also diese Fässer hier nicht wollen, dann sagen Sie am 18. Mai 2 x Ja zu „Strom ohne Atom" und „MoratoriumPlus"!»

Ausgegangen ist das Ganze wie es begonnen hat: friedlich. Die heissen Szenen sind vorerst nur gespielt, aber festgehalten von den Kameras der Presseleute und gefilmt vom deutschen Südwestfernsehen. Das Volksfest dauert bis in den Abend.

Das Weinländer Komitee Strom ohne Atom dankt dem Gemeinderat Benken und den lokalen Pächtern für die Bewilligung zur Benützung des Areals, der Kantonspolizei für die Beratung und Begleitung und den Helferinnen und Helfern für die tolle Unterstützung!

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Weiter Infos direkt von der Kampagnenwebsite http://www.stromohneatom.ch/

 

 

 

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